Europäische Pfarrer- und Predigerkonferenz 2016

Mit grossem Segen konnte die 8. europäische Pfarrer- und Predigerkonferenz 2016 abgeschlossen werden. Über 320 Teilnehmer hatten sich eingefunden und neben den westeuropäischen Ländern waren auch Teilnehmer aus Ungarn, Rumänien, Russland, Lettland, Armenien, Ukraine, Transnistrien und Paraguay vertreten. Wir waren bewegt über dem Wirken Gottes, der neben dem gehaltvollen Inhalt auch eine schöne Einheit und Ergänzung der Referate zueinander geschenkt hat.

Wir sind dem Herrn dankbar, dass wir diese Konferenz noch im Frieden und in Freiheit durchführen durften.

Nachfolgend eine Kurzzusammenfassung der Referate (Reihenfolge nach Vortragsreihenfolge).

 

 


1.) Montagabend, 19:30 Uhr, 11. April – Erlo Stegen, Südafrika

Text: Lukas 24,28&29

Die zwei Wanderer erkennen die dritte Person, die ihnen begegnet, zunächst nicht. Die Sonne geht unter und sie nötigen ihn zu bleiben: „Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden!“
Die Dunkelheit können wir auch als geistliche Finsternis verstehen (2.Tim 3; Joel 3,4). In Matthäus 24,29 wird beschrieben, wie sich die Sonne, die den Tag beherrscht, verfinstert und der Mond, der die Nacht beherrscht, seinen Schein verliert. Die Sterne, als Symbol für die Prediger, fallen vom Himmel. Die Zeit, in der wir leben, wird von einer einbrechenden Finsternis geprägt. Wie gut ist es, dann zu beten: „Herr, bleibe bei uns!“ Doch kann Gott mit uns sein? In 2. Mose 33 redet Gott zu Mose. Er verspricht einen Engel vor dem Volk her zusenden, der seinem Volk Sieg gibt. Doch Mose antwortet Gott: „Wir wollen, dass Du mit uns gehst.“ Gott antwortet darauf: „Ich kann nicht mit euch sein, wegen all der Dinge, die unter dem Volk Raum gefunden haben.“ Es ist gut, wenn wir uns als Verkündiger prüfen und fragen – kann Gott mit uns sein?


2.) Dienstagmorgen, 09:00 Uhr, 12. April – Zac Poonen, Indien

Text: Lukas 24,28&29

Jesus tat vor den beiden Wanderern so, als wollte er weitergehen. Erst, als sie ihn nötigten zu bleiben - wir wissen nicht wie oft sie es taten - blieb er bei ihnen. Erst, als Jesus sah, dass die Jünger ihn auf jeden Fall bei sich haben wollten, blieb er auch.
Wir wollen nicht nur Wunder, Heilung, Segen – wir wollen Gott selbst in unserer Mitte, in unserer Ehe und in unserem Alltag. Im Alten Bund war die Gegenwart Gottes immer mit dem Gottesdienst im Allerheiligsten des Tempels verbunden. Im neuen Bund will Gott durch seinen Geist immer mit uns sein. Das ist eine ganz neue Dimension seiner Gegenwart. Wir müssen darauf achten, dass diese Gegenwart des Heiligen Geistes von uns nicht zu ersetzen versucht wird durch andere Elemente wie: Verlangen nach Geld/Vertrauen auf theologische Abschlüsse/Bedeutung von Musik/Antworten suchen in der Psychologie.

Gott will mit uns sein, er hat seine Jünger beauftragt, in alle Welt zu gehen und dort Menschen nicht nur zur Bekehrung zu führen, sondern sie zu „Jüngern“ zu machen.


3.) Dienstagmorgen, 11:00 Uhr, 12. April – Pastor Jean-Marc Thobois, Frankreich

Text: 2. Könige 21,1-9

Am geistlichen Abfall des Volkes Gottes, zu beobachten nach dem Tod Salomos, wird aufgezeigt, wie sich Westeuropa trotz einzigartiger geistlicher Prägung, in Rebellion von Gott abgewandt hat. Parallelen zum Abfall Israels sind in Europa an der Entwicklung der Gesetzgebung zu erkennen.

Wie kann die Reaktion der Gemeinde auf diese Entwicklungen aussehen? Gott ruft uns zu: „Zerreisst eure Herzen und nicht eure Kleider!“ – Womöglich zieht Gott sein Urteil über unsere Zeit dann noch einmal zurück.

Der Gemeinde, die auf dem Felsen, Christus, steht, kann die Hölle nichts tun. So wie Lot gerufen wurde, auf den Berg zu fliehen, um in Sicherheit zu sein.


4.) Dienstagnachmittag, 16:00 Uhr, 12. April – Matthias Schwab, Deutschland

Symbolbild

Länder der arabischen Welt, wie Syrien, Irak und Jemen, werden nicht nur von Krieg und Gewalt gebeutelt, sondern von einer riesigen Hungersnot geplagt. Trotz all des Elends entschliessen sich einheimische Christen auszuharren und ihren Mitmenschen, Christ und Nicht-Christ, zu helfen. Die Gemeinden nehmen nicht ab, sondern füllen sich mit neuen Mitgliedern von ehemaligen Muslimen, die Gott suchen. Die Christen in der Verfolgung sind voller Eifer im Dienst für ihren HERRN. Sie bitten uns, dass wir für sie im Gebet einstehen, sodass sie weiter in ihren Ländern bleiben können. Es ist für die neuen Gläubigen von äusserster Wichtigkeit, dass sie vor Ort eine Gemeinde finden, der sie sich anschliessen können und wo sie Hilfe finden. Weiter ist jeder von uns aufgefordert, zu geben und zu tun, wie er geführt ist.


5.) Dienstagabend, 19:30 Uhr, 12. April – Prof. Dr. Jacob Thiessen, Schweiz/Paraguay

Text: Johannes 3,25-30

Als zentraler Ausgangspunkt in das Thema „Freude und Gnade“ wird die Aussage von Johannes dem Täufer betrachtet: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“

1. Alles ist uns von Gott geschenkt.
2. Wenn das Ziel erreicht ist.
3. Sich selbst nicht so ernst nehmen.


Je klarer wir die Heilsabsicht Gottes mit uns erkennen, desto mehr Freude haben wir. Freude im Dienst für Gott ist nicht nur eine Willensanstrengung, sie ist die Folge von Erkenntnis. Wir können unseren Dienst nur dann mit Freude tun, wenn wir die grosse Gnade Gottes in unserem Leben erkennen. Göttliche Gnade ist die ständige Zuneigung Gottes zu uns durch Jesus Christus. Wir sind Gottes Werk, in Christus neugeboren zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen. Das tun zu können, ist Gnade.


6.) Mittwochmorgen, 9:00 Uhr, 13. April – Prof. Emile Nicole, Frankreich

Thema: Die Gegenwart Gottes in den Psalmen

Die Frage der Gegenwart Gottes bleibt für uns Menschen einerseits ein Geheimnis, andererseits gibt uns die Schrift an vielen Stellen Antwort auf die Frage – was ist eigentlich die Gegenwart Gottes?
Wie reden die Psalmisten über die Gegenwart Gottes? Die Psalmisten gebrauchen nicht den Ausdruck der „Gegenwart“. Eine zentrale Rolle in den Psalmen spielt der Tempel als „Adresse“, die dem Gläubigen erlaubt, seinem Verlangen nach der Gegenwart Gottes Ausdruck zu verleihen.
„Eines bitte ich vom Herrn … im Hause des Herrn zu bleiben, mein Leben lang …“ Damit meint der Schreiber nicht, dass er die Schönheit des Gottesdienstes oder des Gebäudes erleben oder betrachten möchte, sondern er verlangt danach, sich an der „Schönheit des Herrn“ zu erfreuen. Die Gegenwart Gottes im Tempel ist ein Kennzeichen des alten Bundes. Wie lässt sich das in den neuen Bund übertragen? Der Tempel ist nur eine begrenzte Vorstellung der Gegenwart Gottes. Heute kann die Gegenwart Gottes an irgendeinem Ort in der Welt gesucht und gefunden werden. Jesus gab uns dazu zwei Anhaltspunkte: individuell und gemeinschaftlich. Im Verborgenen (Matth. 6,6) dürfen wir zu Gott beten und er wird gegenwärtig sein. Auch auf der Gemeinschaft, die sich im Namen Jesu versammelt, ruht die verheissene Gegenwart Gottes (Matth. 18,20). Beide Elemente finden sich auch in den Psalmen.
Die Psalmisten reden nie davon, dass Gott nicht gegenwärtig sei – sondern, dass er fern sei vom Menschen. Das geschah entweder durch „Gleichgültigkeit“ des Menschen oder durch „Verwerfung“ durch Gott. Über allem zeigen uns die Psalmen auf vielfältige Weise auf, dass Gott unsere Zuflucht bleibt.


7.) Mittwochmorgen, 11:00 Uhr, 13. April – Adrian Stan, Rumänien

 

Die grossen Linien in der Weltgeschichte, durch die Gott das Kommen seines Sohnes und die Verbreitung der Heiligen Schrift in der griechischen Sprache vollzogen hat, werden aufgezeigt.

Der Weg des Evangeliums nach Europa verlangte von vielen ersten Christen einen hohen Preis – sie zahlten mit ihrem Leben. Beispielhaft wurde der Tod von Jan Hus auf dem Scheiterhaufen in Konstanz erläutert, der eine grosse Glaubensbewegung ausgelöst hat.

Gott zeigt uns in der Schöpfung seine Kraft und in der Erlösung seine Liebe. Die Ausbreitung des Evangeliums mit seinen Gegenströmungen wird dargelegt.

Heute wendet sich Europa wieder vom Evangelium ab, was sichtbare Auswirkungen in der Gesellschaft und in der Bewältigung der aktuellen Krisen hat.


8.) Mittwochnachmittag, 16:00 Uhr, 13. April - Johan Huibers, Niederlande

Johan Huibers Anliegen, die Menschen auf Gott aufmerksam machen zu können und ihnen von seiner Liebe für sie zu erzählen, nahm Form an im Bau einer ersten kleineren Arche und einer zweiten Arche im Originalmassstab.

Letztere konnte im Jahr 2012 eröffnet werden. Seither haben die Archen hunderttausende von Besuchern angezogen. Sein Bericht umfasst ein besseres Verständnis der ursprünglichen Arche sowie einen Ruf an die heutige Zeit, zu Gott umzukehren.

Er endet mit der Aufforderung, sich Gott ganz zur Verfügung zu stellen, unabhängig von den eigenen Möglichkeiten.

 


9.) Mittwochabend, 19:30 Uhr, 13. April - Erlo Stegen, Südafrika

Text: 2. Mose 33,1-3
Mose erweist sich hier erneut als ein grosser Mann Gottes. Er möchte auf keinen Fall auf die Gegenwart Gottes verzichten, auch nicht, wenn Gott ihm verspricht, einen Engel zu senden. Als Verkündiger des Evangeliums ist es gut, sich die folgende Frage zu stellen: „Worin besteht mein Auftrag vor der Gemeinde / den Menschen, zu denen ich spreche?“ Es ist die Aufgabe des Priesters, als Bote des HERRN der Heerscharen, die „Erkenntnis“ zu bewahren (Maleachi 2,7). Auch wenn eine Zeit kommen wird, in der die gesunde Lehre nicht mehr ertragen werden können wird. Weder die Gemeinde noch ein Engel sollen uns darin beeinflussen oder davon abbringen, das zu verkündigen, was Gottes Wort sagt.
Aaron liess das Volk zuchtlos werden und gab ihnen „wonach ihre Ohren juckten“. Die Lippen des Priesters Aaron hatten die Lehre nicht bewahrt, was geht von unseren Lippen aus?